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Inselpostmarken


Inselpostbrief
Inselpostmarken dienten der Kontigentierung des Feldpostbriefverkehrs zwischen Truppen der sogenannten Achsenmächte auf gewissen griechischen Inseln und deren Angehörigen in der Heimat. Nach dem Abfall der mit Deutschland während des 2. Weltkriegs verbündet gewesenen Staaten Rumänien und Bulgarien im Spätsommer 1944 und dem Rückzug großer Teile der Heeresgruppe E aus dem Balkan, blieb ein Rest deutscher und italienischer Verbände auf Kreta und der Aegäis abgeschnitten und allein auf sich gestellt. Insgesamt mögen sich etwa 34.000 Soldaten, darunter 11.000 Italiener bis Kriegende dort aufgehalten haben. Zur Vereinfachung des Feldpostdienstes erhielten die betreffenden Einheiten neue Nummern zugeteilt, deren fünf Stellen mit 68... begannen. Post leitete man über das Luftgaupost­amt Wien per Flugzeug ab Agram/Zagreb, später ab Wien auf die Inseln. Insgesamt sind 19 solcher Postflüge bekannt.

Den abgebildeten Brief schickte eine Erbacherin am 19.2.45 an ihren Mann, Angehörigen der Kreiskommandantur Rhodos, FP-Nr. 68080 B LGPA Wien. Auf dem Beleg klebt die Zulassungsmarke mit dem dunkelblauen Agramer Aufdruck, der den für die Platte II typischen Keil/Spieß hinter dem "T" aufweist. Die lose Marke war zuvor von Rhodos an die Absenderin geschickt worden, damit diese den Brief im Höchstgewicht von 20 Gramm auf den Weg nach Wien bringen konnte, von wo aus er vermutlich mit einer Maschine Focke-Wulf Fw 2000 am 22.2.45 an den Einsatzort des Adressaten weiterlief.

Es war im langen, kalten Winter 1939/40, als nach beendetem Polen-Feldzug die l. Batterie des motorisierten Artillerie-Regiments 102 (Wien) in der Odenwälder Kreisstadt Quartier nahm. Die "Ostmärker" wie sie damals genannt wurden, kamen schnell in engen Kontakt mit der Zivilbevölkerung und so blieb es nicht aus, dass (später) einige Verbindungen zum Traualtar führten. Die erwähnte Einheit wurde im Sommer aufgelöst, nachdem sie in den Strudel der sich abzeichnenden deutschen Niederlage geraten war.