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Archiv: Postanweisungen


Mit Postanweisungen konnten Einzahler Bargeld an Empfänger leiten. Die hierfür verwendeten Formulare bestanden aus zwei bzw. drei Teilen; links wurde die Absenderanschrift, der Betrag und das Datum eingetragen, im mittleren Stammteil wiederholte man die Angaben des Einzahlers, ergänzt durch die Anschrift des Empfängers und bestätigte das Ganze durch Abschlag des Bezirksstempels. Auf der Rückseite war der Empfang des Geldes zu quittieren. Rechts hing der Einlieferungsabschnitt, auf welchem die Post mittels Tagesstempel dem Einzahler die Zahlung bescheinigte.

In Deutschland war bis 1920 ein Wertstempel in das Formular eingedruckt, es handelte sich also um eine Ganzsache. Später beklebte man den Stammteil mit Briefmarken. Das Porto betrug im Inlandsverkehr seit August 1927 in der zweiten Gebührenstufe - bis 25,-- RM - 30 Pf. Der frankierte Mittel-/Stammteil verblieb als deren Eigentum bei der Post und sollte nach Ablauf einer gewissen Aufbewahrungsfrist vernichtet werden.

Bei dem gezeigten Beleg handelt es sich um einen sogenannten "Überroller". RM 20,-- wurden am 21.2.45 in Erbach (Odenwald) eingezahlt. Gemäß rückseitig angebrachtem Poststempel traf das Geld am 4.IV.45 beim Postamt Wien 89 ein.

Erbach besetzten Teile der 7. US-Armee am 29.3.45, Wien ist zwischen dem 6. und 13.IV.45 nach schweren Kämpfen von Einheiten der sowjetischen Armeen Malinowski und Tolbuchin eingenommen worden.

Der Empfänger des Geldes erhielt die RM 20,-- erst nach Kriegsende gegen Vorlage eines Heimatscheines ausgezahlt; er musste seine österreichische Staatsbürgerschaft nachweisen. Auf dem der Postanweisung anhängenden provisorischen Vordruck mit den Personalien des Wiener Empfängers fehlt leider das Datum der Geldauszahlung. Aber weil in Österreich zum 31.12.45 die Reichsmark als Währung vom Schilling abgelöst wurde, muss dies vor Ende dieses Jahres erfolgt sein.