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Archiv: Volkssturmmarken und Briefe


Volkssturmmarke 12 Pfennig
"Nun Volk steh auf, nun Sturm brich los", mit diesen Worten rief im 19. Jahrhundert Theodor Körner die Deutschen zum Freiheitskampf gegen Napoleon auf. Es waren auch die ersten Worte einer Rede mit der am 18. Oktober 1944 der Propaganda-Minister Joseph Goebbels uns noch einmal auf die Beine helfen und unseren Feinden das Gruseln beibringen wollte. Doch vergeblich, wie uns die Geschichte lehrte, was uns davon blieb ist die Briefmarke "Ein Volk steht auf" (Mi. DR 908) und die heute schon sehr seltenen Belege des Deutschen Volkssturms. Nur wenige Sammlerfreunde wissen was zur Ausgabe dieser letzten, im ganzen Deutschen Reich noch postalisch verwertbaren, Briefmarke führte.
Volkssturmmarke 12 Pfennig auf Brief
Anlass zur Herausgabe war die Einberufung des "Volkssturmes", ein Aufgebot von alten Männern und minderjährigen Knaben zur Verteidigung des Reichsgebietes. Aber dieses nun aufgebotene Volk war zermürbt und des Krieges müde und sinnlos war dieses neue Opfer an Menschenleben. Das endgültige AUS des Nationalistischen Reiches war nicht mehr aufzuhalten. Versetzen wir uns doch noch mal zurück in die zweite Hälfte des Jahres 1944. Wir befanden uns im "Totalen Krieg" was immer das auch heißen mag (schließlich sind ja auch die "normalen Kriege" nicht gerade das Erstrebenswerte). Die fast täglichen Sondermeldungen zu den Wehrmachtsberichten verkündigten nach wie vor die obligatorischen Siege an allen Fronten. Aber wer gut hinhörte erfuhr auch von "Frontbegradigungen" oder, wenn schon das verpönte Wort "Rückzug" gebraucht wurde, dann nur vom Rückzug auf eine günstige Ausgangsstellung. Im Klartext und so sahen es nicht nur Pessimisten "Heilig Vaterland in Gefahren ...". (den Rest des Textes verschweigt des Schreibers Furchtsamkeit; Schily ad Portas).

Ihr letztes Stündchen hatte wohl auch die Reichsregierung schon vor den Augen und dieses Stündchen galt es zu verlängern. Aber, und das war hier das Problem, wie sagen wir es dem Volke und wie begründen wir überhaupt die Notwendigkeit zu diesen Schritten zumal, wie schon gesagt, wir doch ständig siegen und darüber hinaus ein Riesenpotenzial an "Wunderwaffen" nur noch auf des Führers Zeichen warteten.

Die Begründungshilfe kam ausgerechnet vom Feind. Nach einer achttägigen Konferenz in Kanada verkündeten Roosevelt und Churchill am 20. Sept. 1944 wie man nach dem Siege über Deutschland mit dem Besiegten zu verfahren gedenkt. Der Plan: "Program to prevent Germany from starting a world war III" (locker übersetzt: Programm wie man verhüten will das Deutschland einen 3. Weltkrieg beginnt). Ausgedacht hatte diesen Plan der amerikanische Finanzminister Hernry Morgenthau (Morgenthau-Plan). Dieser sah u. A. vor: umfangreiche Gebietsabtretungen an die Nachbarstaaten, totale Demontage aller Industrie- und Bergwerksanlagenanlagen, Aufteilung des restlichen Reichsgebietes in zwei (Klein)- Staaten und eine mindest zwanzigjährige Besetzung der beiden Reststaaten sowie eine Umerziehung der Bevölkerung bei Bestrafung der Schuldigen usw. usw. usw.

Die Reaktionen auf diesen Plan ließen nicht lange auf sich warten. Die amerikanische Öffentlichkeit, dieses sei zu ihrer Ehre gesagt, lehnte diesen Plan ab. Roosevelt und Churchill sahen sich gezwungen ihre Unterschrift zu diesem Plan zurück zu ziehen.

Für die Deutsche Reichsregierung war der Morgenthau-Plan Wasser auf ihre Propaganda-Mühle. Der "Judas-Plan", so der deutsche Propaganda-Minister Goebbels, ist der Beweis dass das internationale Judentum (Morgenthau war Jude) Deutschland vernichten will. Am 25. Sept. 1944, also nur fünf Tage später, wurde in Berlin ein Hitler-Erlass veröffentlicht, der die Richtlinien für die Mobilisierung aller männlichen Deutschen zwischen 16 und 60 Jahren beinhaltete. Der VOLKSSTURM, Deutschlands letztes Aufgebot, ward geboren. Der Hitler-Erlass stellte die Volkssturm-Leute als Kombattanten (wie reguläre Soldaten) unter Völkerrechtsschutz, es waren also keine Partisanen. Die Führung der Verbände, maximal Bataillonsstärke, lag bei der jeweiligen Gauleitung der NSDAP. Die SS war für die Ausbildung verantwortlich, diese übertrug in der Regel die Ausbildung der SA bzw. der HJ. Für den Kampfeinsatz war der Reichsführer SS, als Befehlshaber des Ersatzheeres zuständig. Eingesetzt wurden die älteren Jahrgänge und die nur bedingt Einsatzfähigen im Objektschutz und bei Schanzarbeiten. Die in der HJ bereits vormilitärisch ausgebildeten Jahrgänge wurden an der Waffe eingesetzt. Es war ein abenteuerlicher Haufen der damals als letztes Aufgebot ins Feld zog. In Räuberzivil gekleidet, eine schwarz/weiß/rote Armbinde mit dem Hoheitsadler und der Aufschrift "Deutscher Volkssturm Wehrmacht" diente der Erkennung. Die Kampfeinheiten trugen einen Stahlhelm und führten neben panzerbrechenden Waffen (Panzerfaust) meist noch eine alte Donnerbüchse (Beutewaffe aus besseren Tagen) als Ausrüstung mit.

Der Kampfwert der Einheiten war unterschiedlich. Im Westen, zumindest bei den älteren Jahrgängen, gering, man wollte einfach nicht mehr. Im Osten dagegen, motiviert durch die verübten Grausamkeiten der Russen an die Zivilbevölkerung, stand der Volkssturm den regulären Einheiten an nichts nach.

Belege von Volkssturm-Einheiten sind sehr selten. Der Wert steigert sich wenn der Beleg durch eine Zensur ging oder während der Laufzeit vom Feind überrollt wurde und nach dem Krieg zugestellt wurde. Als Feldpost waren die Belege natürlich portofrei. Erkenntlich sind sie an den Briefstempel, ähnlich dem Feldpost - Briefstempel der regulären Einheiten.

Markenloser Brief Volkssturm Markenloser Brief Volkssturm Propagandabrief
Angaben im Volkssturm-Briefstempel: 1. Deutscher Volkssturm
2. Gau Nr.
3. Hoheitsadler
4. Einheitsangabe Bataillon, Kompanie o. Feldp.Nr.
Ein weiteres Erkennungszeichen ist die Dienststellung. Beim Volkssturm gab es keine Dienstgrade wie Gefreiter, Unteroffizier oder Leutnant. Dienststellungen waren: Volkssturm-Mann, Gruppenführer, Zugführer, Kompanieführer und Bataillonsführer. Auf diese Angaben achte man bei Belegen Heimat - Front. Hier fehlt immer der Briefstempel .Da der Briefstempel des vorliegenden Beleges (also Front - Heimat) etwas verwackelt ist und in der Kopie nur schlecht lesbar sein wird werde ich den Text hier wiedergeben. Der Volkssturm-Mann war im Gau 24 (= Niederschlesien) eingesetzt und war dem 29. Bataillon angehörig. Als Absender lesen wir: (Dienststellung) Volkssturm-Mann, keine Feldpost.-Nr. Es ist anzunehmen, dass das Bataillon als Objektschutz eingesetzt war. Insgesamt war das Reichsgebiet in 42 Gaue aufgeteilt. Die Gau-Nr. 43 war den ausländischen Organisationen vorbehalten. Eigentlich unnötig, diese Brüder hatten sich Ende 1944 schon längst verdrückt. Vielleicht zu merken: Gau 10 = Hessen-Nassau, Gau 13 = Kurhessen. Genaue Zahlen über die seinerzeitige Personalstärke des Volkssturmes gibt es nicht. Um diese festzustellen dazu war die Zeit der "Götterdämmerung" zu turbulent. Geschätzt wird die Anzahl der Volkssturm-Soldaten auf etwa 6 Millionen.

Der Beitrag wurde uns freundlicherweise von Günter Loffeld, Lauterbach, zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.